Dillenburg-Nanzenbach (ul). Positive wie negative Bilanzen bei seinem traditionellen Blick in die heimische Natur bestimmten den Bericht des Vorsitzenden Roland Scheiter, den dieser zur Jahreshauptversammlung der Nanzenbacher Vogelschutzgruppe vorlegte. Vorgelegt wurde er allerdings von Uli Horch, da der Vereinschef selbst an diesem Abend verhindert war.

2017 03 15 vogelschutz jhv siebenschlaeferPositiv fiel die Statistik bei der Kontrolle der 444 Nistkästen vom letzten Herbst aus. 85 Prozent von ihnen waren belegt, so viel wie auch im Jahr zuvor. Erklären konnte Scheiter diese Spitzenwerte nicht, nachdem in den Jahren zuvor dieser Prozentsatz auf siebzig gesunken war. In der Hälfte der künstlichen Bruthilfen zogen Kohlmeisen ihren Nachwuchs auf, danach folgten in der Statistik Trauerschnäpper, Blau- und Tannenmeisen. In siebzehn der gezimmerten Höhlen konnten zudem Siebenschläfer ausgemacht werden.

In drei speziellen Kästen, die die Vogelschützer direkt am Bach angebracht haben, brüteten Wasseramseln. Regelmäßiger Gast am Brandweiher ist zudem die seltene Gebirgsbachstelze, die sich von ihrer Verwandtschaft durch ihre gelbe Farbe unterscheidet. Stabil blieb der kleine Bestand an Schwalben und Mauerseglern im Dorf.

Bedenklich stimmten Scheiter dagegen Beobachtungen, über die derzeit die Naturschützer allerorten debattieren: Trotz des zeitweise sehr extremen Winterwetters blieben die Vögel an den Futterstellen aus. Immer mehr versiegelte Flächen und eine intensivst betriebene Landwirtschaft könnten die Ursachen für das Verschwinden der Allerweltsarten sein, spekulierte Scheiter, warnte aber gleichzeitig vor vorschnellen Schlussfolgerungen.

2017 03 15 vogelschutz jhv koppengruwweNicht nur deswegen kommt seine Mannschaft schon seit Jahren Aufgaben nach, die zu einem intakten Ökosystem beitragen sollen: Drei große Insektenhotels hat mittlerweile am Dorfrand und in der Gemarkung aufgestellt. Zudem pflegt sie einen großflächigen Halbtrockenrasen auf „Koppengruwwe“, dessen Blütenreichtum Schmetterlingen und Wildbienen viel Nahrung bietet. Zwei Feuchtbiotope werden an der Schwarzbach und in „Walkeborn“ unterhalten.

Natürlich kam auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Vereinsintern bildeten der Familientag und das Oktoberfest die Höhepunkte. Ebenso nahm man vergleichbare Angebote der anderen Dorfvereine wahr. Gemeinsam führten diese im August zudem das neunte Nanzenbacher Dorffest durch.

Derzeit stecken die Vogelschützer schon fest in der Arbeit für den nächsten Festakt: den fünfzigsten Geburtstag ihrer Ortsgruppe. Der soll am 2. Juni mit einem Festkommers begangen werden. Ergänzend dazu sind Vorträge und Exkursionen geplant.

Auf Scheiters Bericht folgten die Berichte des Jugendwarts Fred Kühnel und des Kassierers Harald Klabunde. Der stellvertretende Vereinsvorsitzende Bernd Schwarz präsentierte ein Tierpräparat des Waldkauzes, der aktuell der „Vogel des Jahres“ ist. In der örtlichen Gemarkung kommt er noch regelmäßig vor, was mehrere Anwesende bestätigen konnten.

Kontroverse zu den Berichten gab es nicht, und so war die Entlastung eine reine Formsache. Vorstandswahlen standen nichts auf der Tagesordnung. Lediglich ein Kassenprüfer wurde nachgewählt: Diese Aufgabe soll Werner Denius im kommenden Jahr übernehmen.