„Nanzenbach – kein Bergmannsdorf mehr"

2014-12-15-chronik-nzb-band-Dillenburg-Nanzenbach (ul). „Nanzenbach – kein Bergmannsdorf mehr" – diesen Titel hat Irene Eichert ihrem neuesten Werk gegeben. Es ist der vierte Band mit Beiträgen zur Nanzenbacher Dorfchronik, den sie zusammenstellte. Gerade noch rechtzeitig vor Weihnachten konnte sie ihn frisch aus der Druckerei abholen.

Der Schwerpunkt der Inhalte dieses 98 Seiten starken Büchleins, an dem außer ihr Heinz Flach, Loni Gail, Uli Horch, Günther Markl und Theo Nickel als Autoren mitgewirkt haben, liegt auf den 60er Jahren. Der Strukturwandel war da in vollem Gange. Mit der „Neuen Lust" schloss im Jahre 1962 die letzte Eisenzeche ihren Betrieb, die ausschließlich auf Nanzenbacher Boden im Abbau gestanden hatte, und auf deren Geschichte in dem aktuellen Werk zurückgeblickt wird.

Parallel dazu verschwanden die vielen kleinen Agrarbetriebe im Dorf, denn die Bergleute waren seither fast alle Nebenerwerbsbauern gewesen. Sie fanden jetzt Arbeit in den großen Dillenburger Metallbetrieben, und das junge bundesdeutsche Wirtschaftswunder machte sich auch für sie mit einem bis dahin nie gekannten Wohlstand bemerkbar.

Die sichtbarste Veränderung im Dorfbild jener Jahre war der Abriss der alten und der Bau der neuen Kirche. Für dieses Ereignis greift Irene Eichert auf die Original-Berichte der damaligen Zeitungen zurück. Nanzenbacher Berichterstatter für die Lokalpresse war meist Günter Markl.

Die Kindheit von Loni Gail, die in der Goldbachstraße aufwuchs, und an die sie sich hier erinnert, lag da längst zurück. Es war eine Kindheit, die sicher oft harmonisch und von einer gewissen Geborgenheit geprägt war, obwohl sie in die Zeit des 2. Weltkriegs fiel. Das Kriegsgeschehen sorgte dann dafür, dass viele Nanzenbacher in 1945 die ersten dunkelhäutigen Menschen zu sehen bekamen – als die Amerikaner mit ihren Sherman-Panzern und Halbkettenfahrzeugen in das Dorf einrückten.

Loni Gails Beitrag ist ein Spiegelbild des damaligen Zeitempfindens, genau wie der von Theo Nickel über „seine" Batzbachstraße. Irene Eichert setzt damit die Geschichte einzelner Dorfstraßen fort, was sich wie ein roter Faden durch ihre vier Chronikbände zieht.

Auf den allerjüngsten Straßennamen geht Uli Horch ein. Er beschreibt, wie vor drei Jahren der „Knappschaftsweg" zu seinem Namen kam, und welche Bezüge zur lokalen Bergbauvergangenheit ihre Anlieger haben.

Dass sie einmal die Grundlage dafür legen würden, dass ihr Dorf fünfzig Jahre später in Sachen Internetzugang zu den am meisten fortgeschrittenen Gemeinden weit und breit gehören würden, konnten die Männer noch nicht ahnen, die am 1. Juni 1964 in der Gaststätte „Jägerheim" den „Interessenverband Gemeinschaftliche Fernsehempfangsanlage" gründeten. Mit einer Gemeinschaftsantenne auf dem „Hübschbeul" wollten sie zunächst einfach nur dafür sorgen, dass in der engen Tallage nicht nur das ARD, sondern auch das ZDF und das HR-3-Programm empfangen werden konnten. Gut zwanzig Jahre später verkabelte der gleiche Verein in Eigeninitiative diesen Dillenburger Stadtteil, und das wieder sorgte später dafür, dass die Nanzenbacher den schnellen Internetzugang bekamen.

Heinz Flach steuert das Gedicht bei „Krieg und Nanzenbach". Als sechsjähriger Junge war er aus dem zerbombten Frankfurt in dieses idyllische Dörfchen am Rande des Schelderwaldes evakuiert worden, das von Kriegsschäden verschont bleiben sollten.

Der einmal mehr sehr gelungene Band zur Dorfchronik enthält noch etliche Kurzbeiträge zu allerlei lokalen Episoden. Dazu gehören auch über siebzig historische Fotos. Ab sofort ist er in der Nanzenbacher und in der Hirzenhainer Filiale der Volksbank zum Selbstkostenpreis von zehn Euro erhältlich. Kontakt: Irene Eichert, Tel.-Nr. 02771-34610.