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Dillenburg-Nanzenbach. Löwenzahn hat jeder mal im Garten. Für den Zierrasen-Fanatiker ist seine Anwesenheit die pure Provokation. Für den Gartenbesitzer, der die geschlossene grüne Fläche als Wiese und nicht als Rasen betrachtet, gehört er dazu. Er kennt in der Regel auch den Spitzwegerich, Sauerampfer, und – wenn der Boden feucht genug ist – vielleicht auch das Mädesüß.

Im Garten von Heike Nickel wachsen sie auch, aber keineswegs, weil sie nur geduldet sind. Im Gegenteil: Sie sind sogar so sehr gewünscht, dass sie diese Wildkräuter eigens anpflanzte. Das dokumentieren die kleinen Tafeln aus Naturschiefer, die sie daneben ins Erdreich gesteckt hat, beschriftet mit den deutschen und den lateinischen Namen der jeweiligen Art.

Die 47jährige Frau kann denn auch begründen, warum sie genau diese hegt und pflegt: „Löwenzahn reinigt das Blut, er regt die Leber- und Nierentätigkeit an. Der Spitzwegerich bekämpft den Husten, fördert die Selbstheilungskräfte des Körpers und ist ideal bei Insektenstichen. Mädesüß hilft bei Erkältungen und Fieber. Der Sauerampfer mit seinem Vitamin C sollte in keinem Salat und in keinem Kräuterquark fehlen."

Mit dieser Materie hat sie sich nämlich in den letzten Jahren gründlich befasst. Was in dem Beschluss mündete, ihr Grundstück an der Nanzenbacher Goldbachstraße, mitten im alten Dorfkern, in einen Kräutergarten zu verwandeln. Im Jahr 2010 schritt sie zur Tat. Seit letztem Sommer wächst und blüht alles so, wie sie es sich gewünscht hatte.

Neben den genannten Wildkräutern gehören weitere dazu, die allesamt bei uns in der freien Natur zu finden sind. Selbst kleine Gehölze, wie etwa Holunder und Weißdorn. Aber darauf hat sie sich keineswegs beschränkt.

Stolz ist sie darauf, dass in diesem Frühjahr auf ihrem Terrain Arnika aufgeblüht ist. Diese Pflanze mit ihrer auffallenden gelben Blüte wächst auf der Fuchskaute und den benachbarten Viehweiden des Westerwaldes wild, doch gedeiht nicht in den Tallagen des Dillgebietes. Dabei hat sich Heike Nickel keineswegs dort bei den unter Naturschutz stehenden Beständen bedient, sondern die Pflanzen aus dem Fachhandel bezogen.

Kurze Zeit später standen auch die benachbarten Ringelblumen mit ihren verschiedenen Farbtönen zwischen gelb und orange in voller Pracht da – eine Zierblume, die sich in vielen heimischen Gärten findet und keinen besonderen Pflegebedarf hat. Doch auch Exoten, die in ihrer wilden Form nur in Asien oder Übersee vorkommen, gehören dazu. wie der Sonnenhut, die Echinacea oder der Alant, der ausgewachsen und in voller Blüte locker seine 172 cm große Besitzerin überragt.

Sie alle haben eine heilbringende Wirkung und können vom Menschen genau dafür genutzt werden. Einige von ihnen als frisch geerntetes Grün und dann als Wildkräutersalat oder auch als schmackhafte Wildkräutersuppe. Die meisten muss Heike Nickel freilich weiter verarbeiten und veredeln: zur Salbe oder zur Tinktur oder – was die genießerisch veranlagten Mitmenschen besonders erfreut – zum Likör.

Wie das geht, das hat sie inzwischen gründlich studiert und dafür sogar ein Diplom zum Abschluss bekommen. Phytotherapeutin darf sie sich nennen, auf Deutsch: Pflanzenheilkundlerin. Infiziert wurde sie mit diesem Thema im späten Frühjahr 2009. Heike Nickel nahm damals an einer Exkursion ihres örtlichen Heimatvereins teil, dessen Vorstand sie angehörte. Ausschließlich um Wildkräuter und deren Nutzen ging es, und dafür hatte der Verein Barbara Skarupke, eine Expertin aus Hüttenberg, engagiert.

„Das kannst du auch machen", ging es der Nanzenbacherin durch den Kopf, für die das Gärtnern in der Freizeit schon lange vorher zu den Hobbys gehörte. Beim Recherchieren erfuhr sie von Doris Grappendorf, die in Feldatal eine Wildkräuter und Heilpflanzenschule führte. „Ich möchte Sie einladen, in meine Kräuterschule zu kommen, um sich von diesem uralten Wissen, das tief in uns verwurzelt liegt, berühren zu lassen", stand da auf deren Internetseite. Die Nanzenbacherin meldete sich an. Über sechs Wochenenden musste sie dafür zu dieser Schule in den Vogelsberg fahren.

Themen aus der Botanik und der Chemie genauso wie solche aus der Heilkunde standen auf dem Lehrplan dieser zweitägigen Unterrichtsblöcke. „Die Geschichte der Heilpflanzen" gehörte dazu, genau wie das Kennenlernen der Arten, oder: „Vitamine, Mineralien, Spurenelemente" und „Ätherische Öle, fette Öle, Harze". Dann die verschiedenen Krankheitsbilder, bei denen die pflanzlichen Produkte lindern oder gar heilen können: rheumatische Erkrankungen und solche des Stoffwechsels, ebenso wie Atemwegs- oder Harnwegsprobleme, Frauenheilkunde oder die Erste Hilfe. Am 13. November 2010 erfolgte die Abschlussprüfung.

Inzwischen ist für die Pflanzenheilkundlerin schon vieles zur Routine geworden. Nicht nur, dass ihr neu angelegter Kräutergarten so geraten ist, wie es ihren ursprünglichen Plänen entsprach. In den letzten beiden Jahren stellte sie schon allerhand Produkte her, Salben und Liköre, für die die Natur die Zutaten lieferte oder der andere Garten, den sie mit ihrer Schwester zusammen außerdem bewirtschaftet.

In ihrem Haus hat sie einen separaten Raum, in dem sie das alles lagert. Auf Regalen und in einem Schrank stehen die Flaschen, Einmachgläser und Becher, auf denen die jeweiligen Inhalte säuberlich beschriftet sind. „Nein, das gewerblich nutzen und gar einen Verkauf eröffnen, das will ich nicht. Dafür müsste ich zu viele Auflagen erfüllen", sagt die gelernte Rechtsanwalts- und Notariatsangestellte, die schon lange bei der Dillenburger Polizei arbeitet. So gehen die gesundheitsfördernden Produkte als Geschenke an Freunde und Bekannte und die Teilnehmer ihrer Kurse, die sie bei der Volkshochschule gelegentlich anbietet, können lernen, wie man solche herstellt.

Nicht nur die profitieren von dem Fachwissen, das sich Heike Nickel in den letzten Jahren angeeignet hat. Als der Nanzenbacher Heimatverein in diesem Frühjahr zum wiederholten Mal zu einer Kräuterwanderung einlud, musste er nicht mehr eine Expertin aus dem Südkreis holen, sondern konnte eine Vereinskameradin engagieren.

Kontakt: Heike Nickel, Tel-Nr. 0151-24083392

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